ADAM D3V im Test: Kompakte Studio-Monitore mit Ribbon-Tweeter und USB-C

Ich wollte ein zweites Paar Monitore, das ich flexibel mitnehmen und überall benutzen kann. Seit August habe ich die ADAM D3V dafür im Einsatz.

Warum ADAM?

Meine ersten richtigen Studio-Monitore waren ADAM A7. Die hatte ich jahrelang. Als irgendwann die Potis kaputt gingen, hat ADAM sie einfach ohne Diskussion ausgetauscht. Seit damals weiß ich, dass die Qualität stimmt und der Support funktioniert. Die D3V sind eine ganz andere Kategorie, aber du hörst sofort dass das ADAM ist: der AMT-Tweeter (der typische ADAM Ribbon-Hochtöner), die Verarbeitung, wie das Ding sich anfühlt.

Was drin steckt

Die D3V kommen als Paar. Jeder Monitor hat einen 3,5-Zoll Aluminium-Woofer, den typischen ADAM AMT-Tweeter (1,5 Zoll) und zwei 3,5-Zoll passive Radiatoren an den Seiten. Statt einem Bassreflex-Port nutzt ADAM diese Radiatoren um Bass bis runter auf 45 Hz (-6 dB) rauszuholen. Das hat den Vorteil, dass du keine Port-Turbulenzen kriegst wenn die Boxen nah an der Wand stehen. Aber: Die Radiatoren sitzen seitlich. Direkt an die Wand stellen ist also auch keine gute Idee, weil es sonst dröhnt.

Technische Daten:

  • Woofer: 3,5 Zoll, Aluminium
  • Tweeter: AMT (Air Motion Transformer), 1,5 Zoll
  • Passive Radiatoren: 2 x 3,5 Zoll pro Monitor (4 insgesamt)
  • Frequenzgang: 48 Hz bis 22,6 kHz (-3 dB), 45 Hz bis 23,2 kHz (-6 dB)
  • Verstärker: 2 x 80W Peak (Woofer) + 2 x 40W Peak (Tweeter)
  • Max. SPL: ca. 96 dB (System)
  • Anschlüsse: USB-C (16-bit, 48 kHz), 2 x TRS (6,3 mm, 24-bit), Kopfhörer 3,5 mm
  • DSP: Crossover, Limiter, 3 Raumkorrektur-Presets
  • Preis: ca. 249-330 Euro (Paar)

ADAM Audio D3V Desktop-Monitore

USB-C direkt vom Laptop

Was die D3V von den meisten kompakten Monitoren abhebt: USB-C rein, läuft. Kein Interface, kein Adapter, nichts dazwischen. Der eingebaute DAC wandelt mit 16-bit bei bis zu 48 kHz. Nicht die volle Auflösung (24-bit geht nur über die analogen TRS-Eingänge mit Interface), aber zum Produzieren und Musik hören unterwegs reicht das locker.

Ich hatte die D3V zwei, dreimal auf Reisen dabei. Laptop per USB-C anschließen, den Teenage Engineering KO II per Audiokabel rein, und zwischen beiden Quellen hin und her switchen, ohne Routing oder Mixer dazwischen. Funktioniert sofort.

Klar, wenn du ein Mikrofon anschließen willst, brauchst du trotzdem ein Interface. Aber nur zum Produzieren und Musik hören? Monitore und ein Kabel, mehr nicht.

Zwischen USB-C und TRS schaltest du über die Taste vorne um. Muss man einmal verstehen, weil die eine Taste mehrere Modi hat, aber nach ein paar Tagen ist das Routine. Was ich cool finde: Dreimal drücken tauscht die Kanäle, falls du den linken Monitor mal rechts hinstellen willst. Und unten sitzt ein 3/8-Zoll Gewinde, du kannst die Dinger also auch auf einen Mikrofonständer schrauben.

Das Firmware-Update

Damit hatte ich nicht gerechnet: Bevor irgendwas lief, musste ich erstmal ein Firmware-Update machen. ADAM hat im Februar 2025 die Version 1.7 rausgebracht, die unter anderem das Auto-Standby anpasst. Das hat mich am Anfang genervt, weil die Monitore nach einer Weile ohne Signal einfach ausgegangen sind. Über das Update kann man das abschalten, aber der Prozess ist fummelig: Monitor in Standby bringen (Regler 2 Sekunden halten), dann den Regler 8 Sekunden halten bis die LED fünfmal blinkt. Nicht gerade selbsterklärend, aber danach ist Ruhe.

Im Alltag

Wenn ich die D3V nicht unterwegs habe, stehen sie im Schrank. Wenn ich sie raushole, landen sie auf dem Küchentisch, im Urlaub auf dem Hotelschreibtisch, oder wo auch immer gerade Platz ist. Die mitgelieferten Gummiständer entkoppeln die Boxen von der Tischplatte und geben einen leichten Winkel nach oben. Die sind übrigens gut, nicht so ein Alibi-Zubehör.

Was mich überrascht hat: Die Dinger haben richtig Wumms. Wir haben damit in einer kleinen Gruppe von Freunden gefeiert und die haben völlig ausgereicht, um 15 Leute zu beschallen.

Gemischt habe ich auf den D3V noch nicht, nur produziert und Musik gehört. Zum Mixen würde ich unterwegs eher Kopfhörer nehmen oder zu Hause meine normalen Monitore.

Raumkorrektur per DSP

Auf der Rückseite gibt es drei DIP-Schalter für die Raumkorrektur: Desk, Wall und Shelf. Desk nimmt etwas Low-End raus wenn die Monitore direkt auf der Tischplatte stehen, Wall zähmt den Bass bei Wandnähe. Ich hab Desk an, weil mein Schreibtisch die Bässe sonst deutlich aufdickt.

Was fehlt

Eine Transporttasche. ADAM verkauft die D3V als portable Monitore, aber eine Tasche oder ein Case gibt es nicht dazu. Musst du dir selbst besorgen.

Und Bluetooth fehlt. Die JBL 104, KRK GoAux 4 und iLoud Micro Monitor haben das, die D3V nicht. Ich habe mir dafür einen kleinen Logitech Bluetooth-Adapter geholt, der am TRS-Eingang hängt. Funktioniert, ist aber ein Extra-Teil das man mitschleppen muss.

Alternativen

Die D3V sind nicht die einzigen kompakten Monitore auf dem Markt. Hier ein kurzer Überblick:

JBL One Series 104 (ca. 159 Euro): 4,5-Zoll Woofer, Bluetooth, RCA und TRS. Klingen für den Preis solide, aber etwas matschig in den Mitten. Fühlen sich eher nach Premium-Desktop-Speaker an als nach Studio-Monitoren.

Yamaha HS3 (ca. 219 Euro): Der ikonische weiße Woofer, hier in 3 Zoll. Raumkorrektur-EQ, Combo-XLR/TRS-Eingänge. Klingen roh und direkt, gut wenn du wissen willst wie dein Mix auf kleinen Boxen klingt.

KRK GoAux 4 (ca. 289 Euro): Kommen mit Tragetasche, ISO-Pads und einem ARC-Mikrofon für Raumkalibrierung. 4-Zoll Woofer, Bluetooth. Wer eine fertige Lösung für unterwegs sucht, findet hier alles in einem Paket.

IK Multimedia iLoud Micro Monitor Pro (ca. 500 Euro): Jeder Monitor einzeln kalibrierbar mit ARC-Mikrofon, individuell powered, kein passives Kabel. Fast doppelt so teuer wie die D3V, dafür ist die Raumkalibrierung deutlich präziser.

IK Multimedia iLoud Micro Monitor (ca. 300 Euro): Die Standard-Version ohne Pro-Kalibrierung. Bluetooth, 50W RMS, 1,7 kg pro Paar. Wer es noch kleiner und leichter will, landet hier.

Wie klingen die D3V?

Sound on Sound vergleicht den Klang der D3V mit ADAMs A8H (die kosten über 3.000 Euro pro Stück) und schreibt, dass die Bass-Performance “viel besser ist als man bei den kompakten Abmessungen erwarten würde”. Zwischen 60 und 80 Hz ist der Frequenzgang laut deren Messung quasi linear, und die Transienten im Bass bleiben auch laut noch sauber.

Kann ich so unterschreiben. Die Bässe sind für die Größe wirklich erstaunlich, und die Höhen vom AMT-Tweeter sind detailliert ohne dass es nach einer Stunde nervt. Wer ADAM kennt, erkennt den Sound sofort wieder.

Wo es nicht mehr reicht: Unter 45 Hz ist Schluss, da kommt einfach nichts mehr. Und in einem größeren Raum (über 20 Quadratmeter) wird es dünn. Aber am Tisch, auf Armeslänge, klingen die Dinger ehrlich. Und das ist letztlich das, was du von Monitoren willst.

Für wen die D3V sind

  • Für Producer die unterwegs arbeiten: Laptop, USB-C, D3V, fertig. Kein Interface, kein Routing. Ob Hotelzimmer, Ferienwohnung oder Songwriting-Camp mit Freunden, das Setup steht in 30 Sekunden.
  • Für Einsteiger statt billiger Großboxen: Für 250-330 Euro bekommst du hier besseren Klang als bei vielen 5-Zoll Monitoren unter 200 Euro, die in schlecht behandelten Räumen sowieso zu viel Bass produzieren. Die D3V sind kleiner, aber ehrlicher.
  • Nicht zum Mixen: Dafür fehlt die Größe und der Tiefbass. Unterwegs nehme ich zum Mixen Kopfhörer, zu Hause meine normalen Monitore.

Quellen