Im Mai 2011 haben wir Tua für unsere Interview-Reihe über Remix-Produzenten an den Tisch geholt. Damals war er gerade mit dem Remix von “Laura” auf dem Prinz-Pi-Album “Rebell ohne Grund” zu hören und schraubte mit Vasee an Dubstep-Versionen seiner eigenen Tracks. Was er über seinen Workflow erzählt hat, ist auch heute noch lesenswert: vor allem der Teil mit dem Feuerzeug-Hihat und der Booth-Tür als Bassdrum.
Tua im Interview
Deine letzten 3 Produktionen:
- Prinz Pi: Laura (Tua RMX)
- Tua und Vasee: Wer ich sein will (Dubstep RMX)
- Tua und Vasee: Roter Luftballon (Dubstep RMX)
Wie gehst du an einen Remix ran?
Das hängt natürlich davon ab, was für ein Remix das ist. Wenn der Track nicht richtig funktioniert hat, dann versuche ich mir klarzumachen, wo die Schwächen liegen und merze sie aus. Meistens ist es aber eher so, dass ich mir überlege, wie ich den Track neu interpretieren und wie ich ihn zu einem Tua-Track machen kann.
Wie bringst du deine eigene Note in den Remix?
Da mir mein eigener Stil, meine Wiedererkennbarkeit sehr wichtig sind, habe ich mir über die Jahre einiges an Kniffen angeeignet, die ich eigentlich immer wiederhole, wenn ich irgendetwas produziere. Eine Art “Tua-Systematik”. Das sind eine Handvoll Sounds, von denen ich immer einige benutze, dieselben Plugins, Frequenzen, die ich rausziehe, Tonleitern, die ich wenn möglich benutze und so weiter.
Ausserdem mache ich wirklich viel mit Sounds, die ich extra aufnehme: Hihats aus dem Klicken eines Feuerzeugs, oder ich schlage die Tür der Booth zu und benutze das als Bassdrum beispielsweise.
Welches Equipment benutzt du?
Da ich mich meistens projektabhängig durch alle möglichen Studios hure, ist es schwer pauschal zu sagen, mit was ich arbeite. Grundsätzlich arbeite ich immer mit einer verlinkten Combo aus Cubase und Reason, das ist für mich die Ideallösung. Ausserdem mache ich immer viel mit allerlei Kram der eben rumliegt, wie ja oben bereits erwähnt. Ansonsten hängt es ganz davon ab, wo ich arbeite und was es dort im Studio an Equipment gibt.
Warum dieses Interview heute noch interessant ist
Tua war 2011 schon einer der eigenwilligsten Produzenten der deutschen Rap-Szene. Was er über seine “Tua-Systematik” erzählt, ist im Grunde das, was viele später als Sound-Signatur oder Producer-DNA bezeichnet haben: ein paar wiederkehrende Sounds, dieselben Plugins, bestimmte Frequenz-Eingriffe, die sich durch alle Produktionen ziehen. Das ist kein Trick und kein Geheimnis, sondern Disziplin. Wer wiedererkannt werden will, muss sich wiederholen.
Der zweite Punkt ist genauso aktuell: Foley-Sounds als Drum-Ersatz. Feuerzeug-Klick als Hihat, zugeschlagene Booth-Tür als Bassdrum. Genau das, was heute jeder Producer mit Splice und Sample-Packs zu Hause nachbaut, hat Tua damals einfach mit dem gemacht, was im Raum lag. Eine ziemlich gute Erinnerung daran, dass die spannendsten Sounds selten in einer Library auf Festplatte liegen.
Tua heute
Tua ist nach wie vor aktiv und Teil der Stuttgarter Rap-Crew Die Orsons (zusammen mit Maeckes, Kaas und Bartek). Solo veröffentlicht er weiterhin Alben und produziert für andere. Sein Sound ist heute breiter aufgestellt als 2011, der Anspruch an die eigene Wiedererkennbarkeit aber unverändert.
Tua im Netz: tuamusik.de
Hinweis: Dieses Interview erschien ursprünglich am 11. Mai 2011 auf beatsandsound.de. Die Einordnung und der Abschnitt “Tua heute” wurden 2026 ergänzt.