Vocal Mixing: Gesang- und Rap-Aufnahmen abmischen (Guide)

Ihr wollt lernen, wie man Gesangs- und Rap-Vocals professionell abmischt? Perfekt, denn genau darum geht es hier. In diesem Guide erfahrt Ihr Schritt für Schritt, wie Ihr Euren Tracks das gewisse Etwas verleiht und sie in 5 Schritten auf ein neues Level hebt.

Schritt 1: Signal aufräumen und Vocals klar herausarbeiten

Zuerst ist es wichtig, dass Eure Aufnahmen klar und frei von störenden Hintergrundgeräuschen sind, wie tieffrequentes Brummen, übersprechende Kopfhörer, elektrisches Summen oder Außengeräusche.

Noise entfernen

Dazu könnt ihr ein Gate oder einen De-Nosier einsetzen. Mein Tool der Wahl ist hier das Gate aus meiner DAW, wenn das nicht reicht greife ich zu Waves X-Noise oder iZotope Voice De-noise.

„Low-End Rumble“ in den Griff bekommen

Danach ist ein High-Pass Filter (oder auch Low-Cut genannt) Euer Freund. Er hilft dabei, unerwünschte tiefe Frequenzen zu eliminieren und die Vocals klarer hervortreten zu lassen. Empfehlenswerte Tools dafür sind der EQ eurer DAW (bei mir EQ Eight aus Ableton Live).

Die Stimme kann tief in der Brust mitschwingen, und zwar bei Tönen bis runter zu 80 Hz. Deswegen ist es besser, Frequenzen darüber nicht wegzuschneiden, damit die Stimme echt und natürlich klingt. Allerdings kann es in modernen Pop-und Rap-Produktionen durchaus notwendig sein, dass bis zu 120 Hz weg zu schneiden, damit die Vocals sich auch neben 808s und Bassdrum durchsetzen. Die Werte sind sollen euch einen groben Rahmen vorgeben, hört genau hin und macht das was für euch gut klingt.

Klarheit und Sprachverständlichkeit mit dem EQ verbessern

Beim EQing von Vocals sind bestimmte Frequenzbereiche besonders wichtig, um die Klangqualität (Klarheit und Sprachverständlichkeit) und zu optimieren.

Die folgenden Frequenzbereiche solltet ihr kennen, um mit dem EQ bei entsprechenden Problemen einzugreifen:

  1. Sub-Bass (unter 80 Hz): In diesem Bereich liegt normalerweise wenig bis gar keine wichtige Information für Vocals. Es ist oft hilfreich, Frequenzen unterhalb von 80 Hz abzuschneiden (High-Pass Filter), um Rumpeln und andere störende Geräusche zu entfernen.
  2. Bassbereich (80 – 250 Hz): Dieser Bereich beeinflusst die „Fülle“ oder „Wärme“ der Stimme. Ein Zuviel in diesem Bereich kann allerdings zu einem „matschigen“ Klang führen, insbesondere bei männlichen Stimmen.
  3. Untere Mitten (250 – 500 Hz): Dieser Bereich ist oft entscheidend für die „Körperlichkeit“ und „Präsenz“ der Stimme. Ein Übermaß kann jedoch zu einem dumpfen, überladenen Klang führen.
  4. Mittenbereich (500 Hz – 2 kHz): Die Mitten sind entscheidend für die Klarheit und Verständlichkeit der Vocals. Eine Anpassung in diesem Bereich kann dazu beitragen, dass die Vocals sich gut im Mix durchsetzen.
  5. Obere Mitten (2 – 4 kHz): Dieser Bereich ist wichtig für die „Schärfe“ und „Durchsetzungskraft“ der Vocals. Eine Betonung hier kann die Stimme hervorheben, aber auch zu Härte führen, wenn übertrieben.
  6. Präsenzbereich (4 – 6 kHz): Eine Anhebung in diesem Bereich kann den Vocals mehr „Präsenz“ und „Lebendigkeit“ verleihen. Zu viel kann jedoch zu scharfen, unangenehmen Klängen führen.
  7. Höhenbereich (6 – 8 kHz): Dieser Bereich trägt zur „Luftigkeit“ und „Feinheit“ der Vocals bei. Eine leichte Anhebung kann die Vocals „atmen“ lassen und ihnen eine offene Qualität verleihen.
  8. Obere Höhen (über 8 kHz): Eine Anhebung hier kann zu mehr „Glanz“ und „Klarheit“ führen, aber Vorsicht ist geboten, um sibilante und harsche Klänge zu vermeiden.

Und immer daran denken, jede Stimme und Aufnahme ist anders. Es gibt keine Einheitslösung beim Abmischen. Es ist wichtig, mit diesen Frequenzbereichen zu experimentieren und sie entsprechend den spezifischen Eigenschaften der Stimme und des Tracks anzupassen.

Schritt 2: Dynamik in den Griff bekommen mit Kompressoren und De-Esser

Vocal Mixing De-Esser

Als Nächstes geht es um die dynamische Bearbeitung. Ein De-Esser, wie der FabFilter Pro-DS, glättet hervorstechende S-Laute und sorgt für eine angenehmere und sanfte Stimme.

Der De-Esser sollte vorsichtig eingestellt werden, um nur die stärksten scharfen S- und T-Laute zu mildern, während genug Zischlaute erhalten bleiben, damit der Gesang verständlich bleibt. Übrigens haben die meisten DAWs eigene De-Esser, die auch gut funktioneren.

Rap Mixing: Kompressoren kombinieren

Anschließend kommt der bzw. die Kompressoren zum Einsatz. Es kann sinnvoll sein mit mehreren Kompressoren hintereinander zu Arbeiten (ggf. zwischen den Kompressor Instanzen nochmal einen EQ einsetzen und über Betonungen zu vermieden).

Meine klassische Kombination besteht aus 1176LN Rev E und LA-2A. In letzter Zeit setze ich aber immer sehr oft auf einen modernen Opto Compressor (z.B. den Empirical Labs EL8 Distressor oder den Tube-Tech CL 1B mk II ) in Kombination mit einem klassischen Compressor (z.B. Waves C1 oder Fab Filter Pro C). Übrigens ist über beide Instanzen eine Gain Reduction über von 12 bis 15 dB möglich und bei Rap Vocals oft auch notwendig.

Multiband-Bearbeitung beim Vocal Mixing

Wenn das noch nicht reicht kommt manchmal der Multiband-Compressor zum Einsatz. Bei mir ist das fast immer der Waves C6, dieser hilft dabei, die Lautstärke auszugleichen und eine konsistente Performance zu erzielen.

Dieser Schritte und der Nächste (Klangfarben mit EQ hinzufügen kann in der Reihenfolge verändert sein, je nachdem was besser in den Mix passt.

Schritt 3: Klangfarbe gestalten – EQ Boost

Jetzt wird es Zeit, die Klangfarbe mit einem Equalizer anzupassen. Ein EQ wie der Pultec oder auch ein Izotope Ozone EQ ermöglicht es euch, bestimmte Frequenzen zu betonen oder zu dämpfen, um die Vocals im Mix optimal zur Geltung zu bringen. Oft bekommt man mit einem Boost bei 600-880 Hz mehr Substanz und mit einer einer leichten Anhebung bei 2-4 kHz etwas mehr Durchsetzung der Vocals hin.

Wenn ich diesen Schritt gehe, dann setze ich oft den Pultec EQ ein aber auch Waves SSL E oder G Channel sind dafür gut geeignet.

Schritt 4: Raum und Atmosphäre mit Reverb und Delay

Um Euren Vocal und Rap Mixes Tiefe und Raum zu verleihen, solltet Ihr Reverb via Sends hinzufügen. Ein subtiler Einsatz von Plugins wie dem Valhalla VintageVerb kann Wunder wirken.

Ergänzend setze ich oft euch Delay ein, um den Gesang räumlich zu erweitern und ggf. „anzudicken“. Hier eignen sich EchoBoy von Soundtoys oder das Waves H-Delay, aber auch die Stock Delay-Plugins aus euer DAW sind gut für das Vocal Mixing geeignet.

Schritt 5: Der finale Touch – Chorus und Sättigung

Ein Chorus-Effekt, beispielsweise UAD Studio D oder der kostenlose kHs Chorus, kann den Vocals einen volleren Klang verleihen – einfach entsprechend Einstellen und via Send-Effekt dazu mischen.

Zum Abschluss kann eine leichte Sättigung der Stimme noch zusätzliche Wärme und Charakter geben. Hierfür eignen sich Verschiedenen Tools. Klassiker sind hier der Soundtoys Decapitator oder der FabFilter Saturn. Ableton Live User können auf den intern Saturator zurückgreifen und sicher finden sich auch in anderen DAWs interne Sättigung-Effekte.

Mein Tipp: Waves Factory Cassette, damit bekommt eine schöne Sättigung und Färbung der Aufnahme hin und kann das Plgun für viele andere Bereiche einsetzen. Aber Vorsicht mit den Noise Generatoren, diese sollten für Vocals möglichst deaktiviert werden.

Fazit

Mit diesen Schritten und den empfohlenen Tools könnt Ihr Gesangs- und Rap-Vocals effektiv abmischen und ihnen einen professionellen Klang verleihen. Experimentiert mit den Einstellungen und findet heraus, was am besten zu Eurem Stil passt. Denkt daran, dass eine subtile Anwendung der Effekte oft den besten Weg darstellt, um die natürliche Qualität der Stimme zu unterstützen.

Viel Erfolg beim Mixen und Entdecken Eurer eigenen Klangwelt!