Was zahlt Spotify pro Stream? Und warum Qobuz und Tidal mehr ausschütten

Spotify ist der größte Streaming-Dienst, aber nicht der, bei dem am meisten bei den Artists ankommt. Qobuz zahlt im Schnitt mehr als viermal so viel pro Stream, Tidal knapp dreimal so viel. Die Frage ist: Warum?

Ich habe mich als Hörer und als jemand der selbst Musik veröffentlichen will durch die Zahlen gewühlt. Hier geht es nicht um Audioqualität, sondern ums Geld: Was schütten die Dienste aus, wie funktioniert das System dahinter, und was machen Qobuz, Tidal und Deezer konkret anders.

Was schütten die Streaming-Dienste aus?

Keine Plattform zahlt einen festen Betrag pro Stream. Alle rechnen über Streamshare-Modelle ab, bei denen der tatsächliche Wert eines Streams von vielen Faktoren abhängt: Land, Abo-Typ, Gesamtstreams im Pool, individuelle Deals. Die folgenden Werte sind grobe Durchschnittswerte an Rechteinhaber aus Branchenschätzungen und vereinzelt offiziellen Angaben, keine Fixpreise.

DienstDurchschnitt pro Stream1 Mio. Streams
Qobuzca. 0,013-0,017 €ca. 13.000-17.000 €
Tidalca. 0,011-0,014 €ca. 11.000-14.000 €
Apple Musicca. 0,006-0,009 €ca. 6.000-9.000 €
Deezerca. 0,005 €ca. 5.000 €
Spotifyca. 0,003-0,005 €ca. 3.000-5.000 €

Qobuz hat für das Geschäftsjahr 2024 als einer der wenigen Dienste einen offiziell validierten Durchschnitt veröffentlicht: 0,01873 US-Dollar pro Stream an Labels und Verlage. Das sind Brutto-Auszahlungen, nicht das, was am Ende auf deinem Konto landet. Zwischen dir und dem Streaming-Dienst stehen noch Distributor, Label und ggf. Verlag.

Je nach Land, Wechselkurs und Deal können die effektiven Werte deutlich darüber oder darunter liegen, teilweise Faktor 2-3.

Eine Million Streams auf Spotify: 3.000-5.000 Euro. Auf Qobuz: ca. 17.000. Für denselben Song.

Warum so unterschiedlich?

Bei Spotify fließt dein Abo-Geld nicht an die Artists, die du hörst. Es landet in einem gemeinsamen Pool und wird nach Gesamtstreams verteilt. Wenn du den ganzen Monat nur eine Nischen-Künstlerin hörst, geht dein Geld trotzdem größtenteils an Drake und Bad Bunny.

Dazu kommt das Free-Tier. Spotify hatte Ende Q4 2025 ca. 751 Millionen monatlich aktive Nutzer, davon 290 Millionen Premium-Abonnenten, also knapp 39%. Der riesige werbefinanzierte Block bringt deutlich weniger Umsatz pro Nutzer (518 Mio. Euro Ad-Revenue vs. 4 Mrd. Euro Premium in Q4 2025) und drückt damit die Erlösbasis pro Stream nach unten.

Seit 2024 generieren Tracks mit weniger als 1.000 Streams in den vergangenen 12 Monaten keine Streaming-Royalties mehr im Spotify-Pool. Spotify betont, dass der Royalty Pool dadurch nicht kleiner wird, sondern extrem kleine Beträge auf stärker gestreamte Titel umverteilt werden. Zusätzlich gibt es eine nicht offengelegte Mindestzahl an Unique Listenern. Für Newcomer bleibt der Effekt derselbe: Deine Musik wird gespielt, du siehst zunächst nichts davon.

Qobuz, Tidal und Apple Music haben kein werbefinanziertes Free-Tier. Das allein hebt die Pro-Stream-Rate strukturell an.

Spotify argumentiert, dass Streaming vor allem Discovery ermöglicht und Artists dann über Touring, Merch und Sync-Deals verdienen. Discovery ist wertvoll, aber kein Ersatz für faire Ausschüttung.

KI-Spam im Royalty-Pool

KI-generierte Tracks fluten die Plattformen. Deezer meldete im April 2025 rund 20.000 KI-Tracks pro Tag (ca. 18% der Uploads). Bis Januar 2026 waren es laut Deezer bereits 60.000 pro Tag, etwa 39%. Deezer sagt gleichzeitig, dass bis zu 85% der Streams auf KI-Musik betrügerisch seien und demonetisiert werden. Die Tracks werden aus Empfehlungen und dem Royalty Pool entfernt. Das Problem existiert plattformweit, aber Deezer geht aktiv dagegen vor. Qobuz setzt ebenfalls Maßnahmen gegen KI-Uploads ein und hat als einer der ersten Dienste seine durchschnittlichen Payouts offengelegt.

Auf Spotify landen diese Tracks im selben Pool wie deine Musik. Jeder KI-generierte Stream, der Royalties generiert, nimmt dir als echtem Artist Geld weg.

Was Deezer anders macht

Deezer hat mit ACPS ein artist-zentriertes Modell eingeführt. Artists mit mindestens 1.000 Streams pro Monat von mindestens 500 Unique Listenern gelten als “professional artists” und bekommen einen doppelten Boost. Dazu gibt es einen weiteren Boost für aktiv gesuchte Songs und einen Ausschluss von Non-Music-Content wie White Noise aus dem Royalty-Pool. Liegt näher an einem fairen Ansatz als das klassische Pool-Modell.

Spotify und Helsing

Daniel Ek, seit Januar 2026 Executive Chairman von Spotify (nicht mehr CEO), hat über seine Investmentfirma Prima Materia 2021 rund 100 Millionen Euro in Helsing investiert, ein europäisches KI-Rüstungsunternehmen. 2025 führte er eine weitere Runde über 600 Millionen Euro an. Massive Attack haben im September 2025 ihren Katalog von Spotify entfernen lassen, explizit als Reaktion auf diese Investments.

Ob das für dich als Hörer oder Artist ein Grund ist, den Dienst zu wechseln, musst du selbst entscheiden. Aber wissen sollte man es.

Alternativen zum Pool-Modell

Bandcamp ist die einzige große Plattform für direkten Verkauf an Fans. Kein Pool-Modell, keine Streams, sondern Kauf und Pay-What-You-Want. Im Schnitt gehen 82% an die Artists. Dazu Merch-Verkauf, Preisfreiheit und eine klare Anti-GenAI-Policy seit 2026.

SoundCloud Fan-Powered Royalties verteilt die Einnahmen nach dem tatsächlichen Hörverhalten der einzelnen Fans, nicht über einen Pool. Für eligible Independent Artists ein Gegenentwurf zum Streamshare-Modell.

Streaming und Direct-to-Fan schließen sich nicht aus. Ein Distributor bringt deine Musik auf Spotify, Apple Music und Tidal. Bandcamp läuft parallel dazu. Welcher Distributor der richtige ist, hängt von deinem Release-Rhythmus und deinen Prioritäten ab. Dazu habe ich einen eigenen Artikel geschrieben: Musik auf Spotify hochladen: Distributoren im Vergleich.

Quellen